Stadtwappen von Meissen

Geschichte und Gegenwart des 1000jährigen Meissen

An der Elbe gelegen, harmonisch in die Landschaft eingepaßt, vom Burgberg überragt und bekrönt, hat die Meissner Altstadt mit ihren malerischen Gassen und Märkten mittelalterliches Gepräge bewahrt. Gotik und Renaissance bestimmen das Stadtbild.

Im Jahre 929 legte der deutsche König Heinrich I. auf dem heutigen Meissner Burgberg inmitten des eroberten Slawen-Gaus Daleminze ein befestigtes Militärlager an. Dies wurde bald darauf zur Burg Meissen, dem strategischen Zentrum der um 965 gebildeten Markgrafschaft Meissen, ausgebaut und Sitz des Markgrafen. 968 stiftete Otto I. das Bistum Meissen. Der Bischof von Meissen residierte ebenfalls auf dem Burgberg.

Mit der Gründung Meissens begann die Geschichte Sachsens, denn die Markgrafschaft Meissen bildete die Keimzelle des Kurfürstentums Sachsen (ab 1423), aus dem 1806 das Königreich Sachsen hervorging, welches 1918 zum Freistaat Sachsen umgebildet wurde. Wegen der Schlüsselstellung Meissens für die Sächsische Geschichte wurde am 3. Oktober 1990 der Freistaat Sachsen mit einem Festakt auf der Meissner Albrechtsburg neu begründet.

Der politischen und wirtschaftlichen Bedeutung Meissens bis zum Dreißigjährigen Krieg verdanken wir jene historischen Bauwerke, die im wesentlichen die touristische Attraktivität unserer Stadt ausmachen.

Der Burgberg: Albrechtsburg und Dom sind die baulichen Zeugen der einstigen zentralen landes- und kirchenpolitischen Stellung Meissens. Der Meissner Dom (Bauzeit 1260 - 1480) ist einer der stilreinsten gotischen Dome Deutschlands. Mit der Reformation verlor er 1539 seine Bedeutung als Kathedralkirche. Die Türme des Westwerks wurden erst zwischen 1903 und 1908 im neugotischen Stil vollendet und sind seitdem das Wahrzeichen Meissens. Die Albrechtsburg (Bauzeit 1471 - 1525) gilt als ältester Schloßbau und bedeutendster spätgotischer Profanbau Deutschlands. Die im Inneren der Albrechtsburg oft anzutreffenden Zellengewölbe sind eine Schöpfung des Landesbaumeisters Arnold von Westfalen, des Erbauers der Albrechtsburg. Im Jahre 1500 verlegte man die Residenz von Meissen nach Dresden. Weitere bedeutende Bauwerke auf dem Burgberg sind das spätgotische ehemalige Bischofsschloß (Bauzeit 1476 -1518; heute Amtsgericht) und die Domherrenhäuser an der Südseite des Domplatzes. Baugeschichtlich bedeutendstes Domherrenhaus ist die spätgotische ehemalige Propstei am Domplatz 7 (Bauzeit 1497 - 1507; heute Hochstift).

Die Altstadt um den Markt: Die planmäßige Stadtgründung um den heutigen Markt durch deutsche Einwanderer erfolgte um 1170. Urkundlich werden der Markt und eine am Markt gelegene Kirche erstmals um 1205 erwähnt. Die städtische Selbstverwaltung ist ab 1316 urkundlich belegt. Das mittelalterliche Meissen entwickelte sich zu einer wohlhabenden Handwerkerstadt, in der bald die Tuchmacher im Stadtrat dominierten. Die Meissner Tuche waren über mehrere Jahrhunderte den niederländischen und englischen Tuche ebenbürtig. Gebaut wurden in dieser Zeit wirtschaftlichen Aufschwungs und anderem die gotische Frauenkirche am Markt (15.Jh.), die gotische ehemalige Franziskaner-Klosterkirche am Heinrichsplatz (15.Jh.; heute Stadtmuseum), das pätgotische Rathaus am Markt (Baubeginn 1472), das städtische Kaufhaus am Theaterplatz (Bauzeit 1545 - 1547; seit 1851 Stadttheater), das Tuchmachertor hinter der Frauenkirche (um 1600) sowie zahlreichen zwischen 1540 und 1630 errichteten Renaissance-Bürgerhäuser (zum Beispiel das "Bahrmannsche Brauhaus", An der Frauenkirche 3; die Markt-Apotheke, Am Markt 4, das Bennohaus, Markt 9). Der Markt gehöhrt wegen seiner architektonischen Geschlossenheit heute zu den schönsten Plätzen Sachsens.

Der Altstadtbereich am Afra-Berg: Städtebaulich reizvoll erweist sich die galerieartige Anordnung der Häuser auf dem von der Elbe zum Afra-Berg sowie zum Burgberg ansteigende Gelände. Die Höhe des Afra-Berges wird eingenommen von der gotischen St.-Afra-Kirche (Bauzeit 13. - 15Jh.) und vom neoklassizistischen Gebäudekomplex der ehemaligen "Fürstenschule" (Neubau von 1877 / 79; heute St.-Afra-Gymnasium). Die St. Afra-Kirche gehörte zu dem 1205 gegründeten Augustiner-Chorherrenstift St. Afra, in dem nach der Reformation die 1543 von Herzog Moritz gegründete Fürstliche Landesschule St. Afra (später als "Fürstenschule" bezeichnet) untergebracht wurde. Berühmt gewordene "Fürstenschüler" waren übrigens die Dichter Christian Fürchtegott Gellert und Gotthold Ephraim Lessing und der Begründer der Homöopathie, Dr. Samuel Hahnemann. Außer der St.-Afra-Kirche hat sich von den Stifts-Gebäuden nur noch weniges um den Ökonomiehof erhalten (heute Sitz der evangelischen Akademie). Charakteristisch für die Bebauung des Afra-Berges sind die weiträumigen, von Mauern umgebenen Domherrenhöfe und Adelssitze, die später vielfach im Stile der Renaissance umgebaut wurden. Beispiele dafür sind die St.-Afra-Pfarre (Freiheit 7) und der Jahnaische Freihof (Freiheit 1).

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Meissen 1637 von den Schweden eingenommen und zur Hälfte eingeäschert. Meissen sank für die folgenden 200 Jahre auf das Niveau einer provinziellen Kleinstadt herab. Der Wiederaufbau wurde erst nach 1700 im bescheidenen Rahmen beschlossen.

August der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, brachte 1710 die von ihm gegründete erste Porzellan-Manufaktur Europas in der ungenutzten und gut bewachbaren Albrechtsburg unter. Besonders die Leistung des Bildhauers Johann Joachim Kändler sowie des Malers und Farbenchemikers Gregorius Höroldt verhalfen der Königlichen Porzellan-Manufaktur in wenigen Jahrzehnten zu europäischer Geltung.

Ab 1834 entwickelte sich Meissen zur Industriestadt. Bedeutendste Branchen waren die keramische Industrie (Ofenkacheln, Wandplatten, Baukeramik), der Maschinenbau und die Metallverarbeitende Industrie.

Diese Entwicklung setzte sich auch nach 1945 fort; vernachlässigt wurde jedoch der Wohnungsbau. Insbesondere verfiel die historische Altstadt. Erst die politische Wende von 1989 / 90 brachte finanzielle Mittel zur Rettung der historischen Altstadt sowie zur umfassenden Sanierung von Albrechtsburg und Dom.

Quelle: Stadtansichten von Dr. Günter Naumann
ISBN 3-9804714-2-x